Henry Dunant wurde am 8. Mai 1828 (der 8. Mai ist der Weltrotkreuztag) in Genf als Sohn eines Kaufmannes geboren, welcher ihm schon sehr früh Weltoffenheit vermittelte. Seine Mutter hielt auf eine streng protestantische Erziehung und weckte in ihm das Interesse für die Benachteiligten und Schwachen; so half er Armen, besuchte Kranke und Gefängnisinsassen und war Mitglied der sogenannten "Almosen Liga".
Seinen Lebensunterhalt verdiente Dunant, nach Absolvierung einer entsprechenden Ausbildung, als Bankier in Genf. In seiner Funktion hielt er sich mehrfach aus Geschäftsgründen zwischen 1853 und 1855 in Algerien und Tunesien auf, wo er sehr viel Geld in Getreidemühlen investierte. 1858 gründete er die "Societe annonyme des Moulins de Mons-Djemils". Im weiteren erwarb er ein Landstück in Algerien und beschaffte Kapital für moderne Einrichtungen. Alsdann versuchte er auch immer wieder für Algerien eine Bewilligung für die Nutzung von Land sowie von Wasser zu bekommen. Da Algerien zu dieser Zeit bereits eine französische Kolonie war, bedurfte dieses Geschäft der Zustimmung der französischen Regierung, bei welcher er aber jedes Mal wenig Erfolg hatte. Aus diesem Grund wollte er sich direkt an Napoleon III wenden. Um mit dem französischen Kaiser persönlich sprechen zu können, reiste ihm der einunddreißig-jährige Kaufmann im Sommer 1859 sogar in die in Blut und Asche liegende Lombardei nach, wo dieser zusammen mit Italien einen Krieg gegen Österreich führte. Ein Treffen kam nie zustande.
In Solferino, wenige km südlich des Gardasees wurde Henry Dunant am Abend des 24. Juni 1859 Zeuge einer wüsten Schlacht zwischen den Truppen der Österreicher und den verbündeten Heere der Italiener und Franzosen. Dort standen sich 300.000 Soldaten gegenüber. Genau dieses Erlebnis sollte der Auslöser für ein weltweit vernetztes Hilfswerk werden.
Am Abend nach dem Gemetzel stellte er mit entsetzen fest, dass Tausende von verwundeten und sterbenden Soldaten ohne jegliche Hilfe auf dem Schlachtfeld zurückgelassen worden waren, dem sicheren Tode ausgeliefert. Zu dieser Zeit kam auf 1.000 Soldaten nur ein einziger Sanitäter, in der heutigen Zeit liegt das Verhältnis bei ca. 25:1. Viele starben in Ermangelung eines qualifizierten Sanitätsdienstes der Truppen. Nachdem Dunant zunächst einmal mit behelfsmäßigen Mitteln, unter dem Motto "Tutti fratelli" (alle sind Brüder), an Ort und Stelle eine Hilfsaktion mit Bewohnern der umliegenden Dörfer, meist Frauen und Kinder, organisiert hatte, berichtete er der Welt, was er gesehen hatte; er schrieb 1862 "
Eine Erinnerung an Solferino", ein Buch, welches ganz Europa erschüttern sollte und ein Bestseller seiner Zeit wurde (1). In diesem Buch schlug Dunant eine Lösung für die Versorgung verwundeten oder erkrankten Militärpersonals im Kriegsfalle vor. Er wollte den Unzulänglichkeiten der Sanitätsdienste der Armeen dadurch begegnen, dass in Friedenszeiten "freiwillige Helfer" ausgebildet werden, deren "Neutralisierung" bis auf das Schlachtfeld durchgesetzt wird. Somit entstand der Grundgedanke einer heute weltweiten Hilfsorganisation.

Obwohl viele die Idee Dunants als Hirngespinst aburteilten, fand sie auch Befürworter. Vier Genfer – der Präsident der "Societe genevoise d’Utilite publique", Gustave Moynier (2), der Jurist General Guillaume-Henri Dufour (3), sowie die Ärzte Louis Appia (4) und Theodore Maunoir (5) schlossen sich Dunant an, um am 17. Februar 1863 das "Internationale Komitee der Hilfsgesellschaften für die Verwundetenpflege" , welches auch als das "Komitee der Fünf" bezeichnet wurde – seit 1876 das "
Internationale Komitee vom Roten Kreuz" (im weiteren IKRK) - zu gründen. General Dufour wird zum Präsident und Dunant zum Sekretär des Komitees gewählt.

Auf Anregung des Internationalen Komitees kamen am 26. Oktober 1863 Sachverständige aus 16 Ländern in Genf zusammen und legten in einer Resolution die Aufgaben des von Helfern gewünschten Komitees zur Verwundetenpflege fest. Als Symbol für die neutralen Helfer wurde ein rotes Kreuz auf weißem Grund beschlossen; zu Ehren der Schweiz die Umkehrung der schweizerischen Bundesfarben (6). Die Bewegung war geboren. Bereits im März 1864, also ein halbes Jahr später, wurde die Rotkreuz-Armbinde zum ersten Mal im Krieg zwischen Österreich und Dänemark auf einem Kriegsschauplatz verwendet.

Für die fünf Mitglieder des Internationalen Komitees aber blieb das Wichtigste noch zu tun, nämlich die Staaten davon zu überzeugen, dass Verwundete und Pfleger nicht als Feinde betrachtet werden durften, da sie ja nicht mehr – oder nicht – an den Kämpfen teilnehmen und deshalb Schutz verdienten. Dieser konnte nur durch ein internationales Abkommen sowie ein von allen Streitkräften verwendetes Schutzzeichen herbeigeführt werden, das die Verwundeten, das Personal, die Fahrzeuge und sanitären Einrichtungen in jedem Land auf die gleiche Art kennzeichnete. Zur Verwirklichung dieser Idee wurde eine Konferenz, bei der Bevollmächtigte der Staaten zusammenkamen, d.h. eine "diplomatische Konferenz", einberufen. So lud die Schweizer Regierung im August 1864 25 Staaten zu einer solchen Konferenz nach Genf ein. Diesem Aufruf folgten fünfzehn Staaten - vierzehn europäische und die USA (7). Der wesentlichste Punkt während dieser Konferenz war der Beschluss des aus zehn Artikeln bestehenden Vertrages "Genfer Convention zur Verbesserung des Schicksals der verwundeten Soldaten der Armeen im Felde", welcher ein Meilenstein in der Geschichte des humanitären Völkerrechts war.
Zwölf der anwesenden Staaten traten dem Abkommen am 22. August 1864 sofort bei; Österreich folgte erst 1866 nach einer vernichtenden Niederlage gegen Preußen, welches die Genfer Konvention bereits 1864 unterzeichnet hatte, und in diesem Krieg auf alle verwundeten und erkrankten Soldaten, auch der Österreicher, die selbe Hilfe zukommen ließ.
Die Getreidemühlen in Algerien entwickelten sich nie zu einem rentablen Geschäft und die Vernachlässigung seiner sonstigen geschäftlichen Verpflichtungen, zugunsten seiner humanitären Berufung, trieben Dunant endgültig in den Bankrott. Für einen Schweizer Bürger aus wohlhabenden Kreisen bedeutete dies ein Stigma, unter dem Dunant, viele Jahre hindurch fast wie ein Ausgestoßener behandelt, zu leiden hatte. Aus Furcht vor der öffentlichen Meinung wurde Dunant am 15. August 1867 nahegelegt, sein Amt als Sekretär zur Verfügung zu stellen, um dem Ansehen der jungen Organisation nicht zu schaden.
Gebrochen, verarmt und fast vergessen reiste Dunant in Europa umher und versuchte auf seine Weise, ausgeschieden aus der Bewegung, für das Rote Kreuz und die Verbreitung seines humanitären Gedankengutes zu werben. 1887 kam Dunant nach Heiden in die Schweiz, wo er die folgenden 18 Jahre seines Lebens im örtlichen Krankenhaus, in welchem man ihm ein Zimmer überlassen hatte, verbrachte. Die zufällige Begegnung 1895 mit dem jungen Journalisten Georg Baumberger brachte Henry Dunant wieder in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zurück und es wurde ihm verspätet die verdiente Anerkennung zuteil. Als Höhepunkt einer Unmenge von Auszeichnungen und Ehrungen erhält Dunant für sein Lebenswerk 1901 den ersten Friedensnobelpreis.
Jean Henry Dunant verstarb am 30. Oktober 1910 im Alter von 82 Jahren in Heiden/Schweiz am Bodensee. Seine Asche wurde auf einem Friedhof in Zürich beigesetzt, wo ein einfacher Grabstein die Erinnerung an ihm wachhält.
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